Im Frühjahr diesen Jahres lernte ich eine junge Frau kennen. Sophie Elpel. Ende 20. Selbstbewusst, sympathisch, offen. Wir trafen uns auf einem Seminar bei Dieter Lange in Köln. Am gleichen Tag als ich auch Tobias kennenlernte, von dem ihr hier vielleicht schon im Blog gelesen habt. Vor Veranstaltungsbeginn und in einer der Pausen kamen wir ein bisschen ins Gespräch. Im Rahmen eines solchen Events geht man in Gesprächen selten in die Tiefe. Man „beschnuppert“ sich und gleicht Interessen ab. In der Regel sind das nette, oberflächliche Gespräche. Am Ende des Tages sagt man sich „Lebe wohl“ und das war es dann. Nicht so bei Sophie. Wir hatten einen gleichen Nenner gefunden. Denn Sophie ist ausgebildete Schreibtherapeutin, betreibt die Internetseite www.schreibenhilft.com und hilft dort Menschen dabei, Erlebnisse und Sorgen, Gedanken und Ideen über das Schreiben zu ver– beziehungsweise zu bearbeiten. Die „therapeutische“ Kraft des Schreibens ist mir mehr als vertraut. Ein Gedanke, der in meinem Kopf herumgeistert, bleibt da solange, bis ich ihn zu Papier gebracht habe. Oder entwickelt sich dadurch weiter, dass ich ihn aufschreibe.
Aufschreiben ist ein gutes Stichwort. Denn es geht hier nicht um mich, sondern um die Geschichte der jungen Hamburgerin, die eine durchaus spannende berufliche Entwicklung hinter sich – aber auch noch vor sich – hat.
Rückblick 2018: Ein Wendepunkt im Leben der 28-Jährigen
Ein kleiner Rückblick in die erste Jahreshälfte 2018: Sophie arbeitet als Content Managerin in einer Agentur und baut dort Websiten, ein eher technischer Beruf, den sie gut macht. Aber nicht wirklich gerne. Eigentlich möchte sie Autorin sein, hatte Germanistik studiert. In ihrer Vorstellung ein einsamer Beruf. Der möglicherweise noch von einigen als „brotlose Kunst“ abgetan wird. Deswegen arbeitet sie zunächst für zwei Verlage, um ihrem Fach nahe zu sein, jetzt dann in der Agentur. Sophie geht täglich ins Büro. Mag ihren Chef. Das Leben entwickelt sich. Sie hat einen Freund. Alles ist okay. Sie hat auch schon andere Phasen im Leben hinter sich. Ein Job, ist besser als keiner. Denkt sie sich. Sie, die, auch wenn es schon länger her ist, schon einmal die Erfahrung gemacht hat, wie es ist, wenn man sechs Monate lang Bezieherin von Hartz IV ist.
Dann auf einmal der Schock: Vielleicht der schlimmste Moment, im Leben der 28-jährigen Sophie. Es war der letzte Sommer, als plötzlich Schluss war und sich ihr Freund von ihr trennte. „Die Trennung hat mich umgehauen.“ Ging es bei der Trennung doch vor allem auch um Grundsatzthemen. Um Werte, Einstellungen und der Idee vom Leben. „Ich war zu der Zeit einfach nur tief traurig und dachte das war es jetzt. Ich hatte das Gefühl nicht verstanden zu werden. Ich hatte das Gefühl, dass die Art, wie ich mein Leben gestalten wollte, unnormal war und ich allein mit meinen Gedanken war.“ Doch dann stieß sie bei Internetrecherchen auf ein Interview der Persönlichkeitsentwickler und Life Coaches Tobias Beck und Dieter Lange. „Da war das auf einmal ganz anders. Die sagten Dinge, die ich nachempfinden konnte. Die sprachen aus, worüber ich schon lange nachdachte.“
Als die eigenen Wünsche nicht mehr zum Unternehmen passten…
Für Sophie war es der Startpunkt einer spannenden Entwicklung. Wenn sie heute – mit ein bisschen Abstand auf diese Lebensphase – zurückschaut, sagt sie ganz selbstbewusst über sich: „Mir sind Flügel gewachsen. Ich habe ein dreiviertel Jahr lang viel Zeit in mich investiert. Mich mit ganz vielen Themen beschäftigt, gelesen, Seminare besucht, mir Zeit genommen und an mir gearbeitet.“ Sie hat nicht nur an sich gearbeitet, sondern auch Entscheidungen getroffen: „Eines morgens saß ich in einem Meeting bei uns in der Firma. Wir haben über die Unternehmensziele gesprochen. Und wie wir als Mitarbeiter unseren Beitrag leisten können. Die Ziele des Unternehmens passten aber nicht zu meinen Zielen. Die hatte ich mir ja in den zurückliegenden Monaten klargemacht.“ Durch die stetige und immer weiter fortgesetzte Reflexion der eigenen Wünsche und Ziele war Sophie dem Unternehmensalltag entwachsen. Das teilte sie dann auch ihrem Chef mit. Und das hatte Konsequenzen. Bedeutete es doch, dass die gemeinsame Grundlage für eine Zusammenarbeit nicht mehr existierte. Letztlich für beide Seiten eine folgerichtige Entwicklung.
Wenn du Entscheidungen triffst, fügt sich auch der Rest
Sophie traf konsequente Entscheidungen, nahm sich dann erst einmal frei, reiste nach Bali, erholte sich und… traf einen jungen Amerikaner. „Ich bin vor allem auch nach Bali gefahren, um mich meiner größten Angst zu stellen: allein zu sein. Deshalb bin ich allein gefahren. Und letztendlich war das dann der Moment, in dem ich nicht mehr allein sein musste. Weil ich Anthony kennengelernt habe. Und das führt dazu, dass gerade einiges passiert in meinem Leben. In Bali hat es sich dann letztendlich schon so angefühlt, als würde sich dort schließlich alles fügen, ganz nach dem Motto: Wenn du einmal Entscheidungen triffst, fügt sich auch der Rest“, beschreibt Sophie nun ein Jahr nach dem „Wendepunkt“ die aktuelle Lebenssituation und den Moment auf der Sonneninsel. Mit dem neuen Freund geht es jetzt auf Weltreise. Die Jobpläne sind klar fokussiert.
Auf zum Traumjob – Schritt für Schritt auf dem richtigen Weg
Sophie greift ihren Traum auf. Wird Autorin. Die vermeintlichen Vorurteile interessieren sie nicht mehr. „Ich habe Co-Working als Arbeitsform kennen- und schätzen gelernt. Das heißt, ich habe immer Menschen um mich herum. Das Konzept für das erste Buch, einen All-Age-Roman, in dem es um die Frage „Was ist Heimat?“ geht, gibt es auch schon“, berichtet sie stolz. Kurse in Sachen Schreibtherapie sollen kurzfristig finanzielle Unabhängigkeit bringen. Zudem bewirbt sie sich für Gründerstipendien. Auch wenn die anstehende Veränderung bedeutet, dass die heute 29-Jährige scheitern könnte, hat sie keine Angst vor der Zukunft. „Es fühlt sich einfach richtig an. Ich habe keinen Plan. Ich glaube aber daran, dass sich alles fügen wird. Es macht alles Sinn. Allerdings muss man auch was dafür tun. Ich musste mich bewegen. Mich entwickeln. Das Glück kommt nicht bei einem zu Hause vorbei.“
„Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut“
Ich wünsche Sophie, dass sie ihren Weg erfolgreich geht. Wie ich liebt sie Worte und das Schreiben, weil „manche Menschen Worte finden, die beschreiben, was man selbst fühlt – ohne, dass man es selber ausdrücken kann.“ Und sie findet dann auch zum Abschluss die richtigen Worte, die vielleicht das beschreiben, was euch durch den Kopf geht, wenn ihr unsere Blogs lest:
„Wisse, was du willst. Tue etwas dafür. Und sei dennoch offen für die Gelegenheiten und Abzweigungen, die das Leben dir bietet.“ Am Ende unseres Interviews verrät mir die zweisprachig aufgewachsene Tochter einer Schweizerin und eines norddeutschen Unternehmers ihr Lieblingszitat. „Robert Frost oder auch Perikles haben gesagt: Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut!“
In diesem Sinne.
Euer Patrick