Wir Menschen fühlen uns gerne zugehörig. Wir lieben es, wenn wir andere Menschen um uns herumhaben, mit denen wir uns verstehen. Zu denen wir eine gute Beziehung pflegen. Das ist zu Hause nicht anders als im Büro. Das richtige Umfeld. Doch was ist das richtige Umfeld? Mit welchem Kollegen hältst du es keine zwei Minuten im Büro aus und mit wem kannst du auch eine ganze Nacht durchackern, weil die Chemie stimmt und gemeinsam Gas geben wollt?
Eigentlich ein trivialer Umstand: Mit Menschen, die wir gerne haben, verbringen wir gerne unsere Zeit. Zeit, ein wichtiger Faktor, wenn es um die Einteilung des Lebens geht. Denn Zeit ist ein knappes Gut und sollte daher sinnvoll eingesetzt werden. Und da wir alle in der Regel einer Erwerbstätigkeit nachgehen, sollten die Menschen, auf die wir dort treffen, irgendwie zu mir passen – damit es eine gute Zeit für mich ist. Deswegen ist es nicht nur die Aufgabe, die einem Freude bereiten sollte. Auch der Ort, die Rahmenbedingungen und die Menschen, mit denen oder für die ich arbeite, sollten zu mir passen.
Wir leben in einem Beziehungsgeflecht – auch hier geht es um die richtige Passung
Mit dem Ort und den Rahmenbedingungen beschäftigen wir uns gerne ein anderes Mal noch einmal. Zunächst aber möchte ich die Menschen, für und mit denen wir arbeiten, näher beleuchten:
Häufig kündigen Menschen nicht einer Firma, sondern der Führungskraft
Die Rolle des Chefs hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. War er früher derjenige, der klare Ansagen gemacht hat, Ziele vorgegeben und deren Einhaltung kontrolliert hat, wandelt sich seine Rolle mehr und mehr zu einer „Ermöglicher“-Rolle. Chefs haben aus meiner Sicht drei wesentliche Aufgaben:
- Sie sollten Demotivation verhindern. Grundsätzlich ist es so, dass ich davon ausgehe, dass jeder Mensch eine Grundmotivation in sich trägt. Gerade dann, wenn er eine neue spannende Aufgabe übernommen hat, für die er brennt. Als Führungskraft sollte ich jenem Mitarbeiter die Freiräume und die Unterstützung geben, dass diese Motivation nicht zerstört wird, sondern aufrecht gehalten wird. Den Irrglauben, dass Chefs Mitarbeiter motivieren können, klammere ich hier bewusst aus.
- Sie sollten Entwicklung fördern. Chefs sollten Rahmenbedingungen schaffen, in den Mitarbeiter fachlich und persönlich wachsen können. Das heißt auch, dass sie sich an den entscheidenden Stellen zurücknehmen sollten. Auch gehört meines Erachtens dazu, konstruktiv Arbeitsabläufe zu stören und zu hinterfragen, damit Weiterentwicklung stattfinden kann.
- Sie sollten an dem Mitarbeiter interessiert sein. Den Unterschied zwischen Management und Führung liegt meines Erachtens unter der Oberfläche des Offensichtlichen. Führungskräfte sollten echtes Interesse an ihren Mitarbeitern, deren Sorgen und Nöte sowie deren Bedürfnisse haben und ihnen in den entscheidenden Momenten, den Rücken stärken, wenn sie es benötigen.
Allzu häufig sind es jedoch die Führungskräfte, denen Mitarbeiter kündigen. Nicht der Organisation als Solches. Nein, denen, die ihnen vorgesetzt sind. Weil sie sich nicht verstanden, nicht wahr- oder ernstgenommen fühlen. Weil ihnen die Wertschätzung fehlt. Ein Drittel der Menschen, die letztes Jahr an einer Umfrage der MondayMakers teilgenommen hatten, sagten, dass die fehlende Wertschätzung einer der Hauptgründe sei, warum sie nicht gerne zur Arbeit gingen.
„Die Kollegen sind super. Wenn es im Team stimmt, ist alles andere egal.“
Doch nicht nur der Vorgesetzte spielt eine entscheidende Rolle. Auch der Kreis der Kollegen. Im positiven, wie im Negativem. Kollegen können Anker sein – selbst, wenn die Aufgabe dich persönlich über- oder unterfordert. Wenn ich mich ansonsten wohlfühle in meinem Umfeld, kann ich zufrieden sein. Insbesondere für Frauen ein wichtiger Faktor. In der damaligen Befragung sagten 42% der Frauen, dass wenn es im Team stimmt, alles andere egal sei.
Ein Lehrer, der keine Kinder mag, wird an der Grundschule nicht glücklich
Nicht zu unterschätzen sind auch die Kunden. Wenn ich täglich für Menschen arbeite, die ich nicht leiden kann, wird mir die Aufgabe keine Freude machen. Selbst, wenn der Inhalt der Tätigkeit, vielleicht genau meinen Fähigkeiten entspricht. Nehmen wir einmal folgende Situation an: Du bringst Menschen gerne etwas bei. Du gehst darin auf Unterweisungen, Lernkonzepte und Unterrichtsmaterial zu entwickeln. Das Thema ist dir fast egal. Was dir aber nicht egal ist, ist die Gruppe der Lernenden. Wenn dich Kleinkinder nerven, dann wird dir das Lehren an einer Grundschule keine Freude machen – an einer Berufsschule vielleicht schon. Oder an einer Volkshochschule.
Damit du in deinem Element sein kannst und mit Freude deine Arbeit tun kannst, braucht es also nicht nur eine sinnvolle, abwechslungsreiche Tätigkeit. Nein – auch das Umfeld spielt eine wesentliche Rolle: Also – achte bei der Berufswahl darauf, für wen und mit wem du arbeitest.
Das ganze Thema „Umfeld“ ist – wie wir gemeinsam festgestellt haben – ein sehr wichtiges. Im digitalen Karrierebegleiter, der youdo-App arbeiten wir gerade daran, dass du zukünftig dort auch die Faktoren für das zu dir passende Umfeld reflektieren kannst.
Beste Grüße
Dein Patrick