Sven: Ich traue mich auch einmal Fehler zu machen

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Ehrlicherweise war ich schon überrascht als sich Sven Anders Wagner bei mir meldete. Ich hatte nach Menschen gefragt, die von sich behaupten in ihrem Element zu sein. Die glücklich bei der Arbeit sind und die sich frei fühlen. Warum ich überrascht war? Sven ist bei der Stadt Solingen angestellt. Und ehrlicherweise ging tatsächlich sehr schnell die Schublade auf „Stadt = langweilige Arbeit“ und gleichzeitig war meine Neugierde geweckt. Im Gespräch dann verstand ich, warum sich Sven gemeldet hatte. Davon möchte ich euch gerne berichten und seine Begeisterung mit euch teilen.  

Abitur, Bundeswehr, Ausbildung, Studium – ein klassischer Weg 

Die Geschichte des heute 41-Jährigen beginnt ganz klassisch. Nach dem Abitur ging es – damals noch üblich – zur Bundeswehr. 10 Monate Grundwehrdienst. „Gerne hätte man gesehen, dass ich mich verpflichte“, schildert der gebürtige Westerwälder sein Ende bei der Landesverteidigung. „Ich habe mich immer voll reingehängt und dass schätze man dort. Aber Comand & Control war nicht so mein Ding“, erläutert Sven, warum er sich dann doch für den Weg zurück in die Wirtschaft entschied. Die Eltern, die Großeltern, Onkel, Tanten – alle hatten sie dem Junior empfohlen doch erst einmal eine anständige Lehre zu machen. Gesagt, getan, schloss sich Sven einem lokalen Zahnbürstenhersteller an und machte eine Ausbildung zum Industriekaufmann. „Das hat Spaß gemacht. Ich war immer in unterschiedlichen Abteilungen. Konnte mir einen Eindruck von der Arbeit verschaffen. Schnell verstehen, adaptieren, besser machen – das liegt mir.“ Auch als Nicht-Techniker hatte konnte er damals in der Produktion zwei Verbesserungsvorschläge machen, um den Produktionsprozess zu optimieren. Und er lernte, wie es ist, von heute auf morgen in der Verantwortung zu stehen. Der Bereich für die ISO-Zertifizierung bestand aus ihm und einem gestandenen Kollegen, der von heute auf morgen krankheitsbedingt ausfiel – und Sven musste die Arbeit auffangen. In dieser Phase erkannte der Wahl-Kölner und bekennende Fan des 1. FC Köln, dass er mehr wollte – „aber bitte keine Zahlen.“ Nächster Step: Studium. Diplom-Geographie. „Das vereinte Geografie, BWL, Architektur – alles spannende Themen für mich.“  

Selbständig oder Großkonzern? Lieber in den öffentlichen Dienst 

Spannende Themen, die ihn bis heute in den Bann ziehen. Heute, viele Jahre später, ist Sven Anders Wagner bei der Wirtschaftsförderung der Stadt Solingen beschäftigt und ist Prokurist für das Gründer– und Technologiezentrum. Selber zu Sven Wagnergründen, kam für ihn nie in Frage. „Ich war aus dem familiären Umfeld geprägt.“ Auch die Arbeit in einem großen Konzern reizte ihn bisher nicht. „Auch das hatte ich in der Vergangenheit gelernt. Eine Rationalisierungswelle und du bist weg, stehst mit Anfang 40 da und musst neu anfangen.“ Svens Weg sollte über öffentliche Arbeitgeber führen. Weil er sich davon Halt und Sicherheit verspricht. „Die Sicherheit ist für mich als Familienvater ein wichtiges Fundament. Ohne diese, kann auch kein Freiheitsgefühl entstehen.“ Dieses Gefühl von Freiheit ist es, was ihm in seiner Position zufrieden macht. Und das kommt nicht von ungefähr. „Ich habe einen sehr guten Draht zu meinem Chef. Wir sind beide Geografen und funken auf derselben Wellenlänge.“ Man nimmt Sven bei diesen Worten ab, dass es ihm wichtig ist. Beide würden sich wunderbar ergänzen. Beide haben ein Gefühl dafür, wo der jeweils andere besser ist und wie man sich optimal unterstützen kann. „Ich kann einfach machen. Dinge ausprobieren. Ich traue mich Fehler zu machen, weil ich weiß, dass mein Chef hinter mir steht.“  

Der öffentliche Dienst ist cool, sexy und bietet Sicherheit 

Als ich Sven über meine, bezüglich einer Anstellung bei der Stadt, eingangs geäußerte Skepsis berichte, muss auch er schmunzeln. „Bei der klassischen Verwaltung einer Stadt angestellt zu sein, kann ich mir derzeit nicht vorstellen. Wir sind eine GmbH & Co. KG. Wir sind wirtschaftlich orientiert. Wir haben ein riesiges Spielfeld, überschaubare Budgets und eine Menge Ideen und Visionen. Das ist abwechslungsreich und spannend.“ Klingt in der Tat danach. Und er findet immer mehr Mitstreiter, die ähnlich ticken und denken. „Ich denke und arbeite gerne in Netzwerken und habe daher viel Kontakt zu Gleichgesinnten in anderen Tochtergesellschaften öffentlicher Institutionen aber auch in die Kernverwaltung. Da sind viele die Bock und den nötigen Drive haben. Dafür werbe ich gerne. Der öffentliche Dienst ist sexy und cool“, gerät Sven geradezu in Ektase, wenn er die Gegebenheiten schildert. Anders ist nicht nur sein Zweitname. Anders ist auch die Art, wie Sven denkt. „Ich war der erste Mitarbeiter mit einer Homeoffice-Regel. Ich habe das Gründungs- und Technologiezentrum anders und neugedacht. Wir wollen hier in Solingen ein Inkubator für Startups werden. Dafür haben wir den Coworking-Space Coworkit aufgebaut und etabliert.“  

Als Ehefrau Sabine den entscheidenden Impuls setzte 

Wer denn die größten Unterstützer auf seinem Weg waren bisher, frage ich ihn. Neben seinem aktuellen Chef nennt Sven in diesem Moment seine Frau Sabine. „Ohne sie wäre ich nicht an dem Punkt im Leben, an dem ich jetzt stehe.“ Vor der Station in Solingen hatte der zweifache Familienvater in Menden im Sauerland gearbeitet. Stadtmarketing und Tourismus waren die Themengebiete. Er lebte die Woche über dort. Das Familienleben war überwiegend auf das Wochenende beschränkt. Die Arbeitsbedingungen erschwert. Die Stimmung nicht gut. Der damalige Chef jemand, der in der Morgenrunde lieber über den von ihm gefundenen Rechtschreibfehler sprach als über den Inhalt von Briefen. „Eine Situation, die total frustrierend war.“ Seine Frau Sabine war es, die Sven einen gehörigen Tritt in den Hintern verpasste: „Ich habe keine Lust mehr darauf, dich jedes Wochenende aufzubauen.“ Die Worte verfehlten nicht ihre Wirkung. Sven packte es an. Suchte sich eine neue Aufgabe. Fand sie in Solingen. Wo er nun seit neun Jahren beschäftigt ist. Und voller Enthusiasmus in seinem Element ist. Aktuell beobachtet seine Frau ihn wieder ganz genau. Nicht, weil Sven unzufrieden ist – nein, aber der Zeiteinsatz im Moment ist sehr hoch und Sven manchmal erst spät bei den beiden Kindern Charlotte (4) und Constantin (1) zu Hause ist. Denn parallel zum Job bei der Stadt, probiert sich Sven als freier Berater für eine Beratungsgesellschaft aus, bei der es um agile Methoden, Kultur-Architektur und Startup-Prozesse geht. Aus der Sicherheit der Festanstellung bei der Stadt heraus. Es ist ein festes Fundament. Auf dem Ideen und Innovationen entstehen können. Und das Sven für sich braucht, um in seinem Element zu sein.   

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