Phil: „Was ist dein verkraftbarer Verlust?“

Phil Derichs_FANwerk
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Wie aus einer Schnapsidee eine Brauerei entstand

„Einfach loslegen.“ Wenn man Seriengründer Phil Derichs nach seinem ultimativen Tipp für junge Gründer fragt, ist das seine Antwort. Und dabei handelt es sich nicht, um eine leichtfertig postulierte Parole, sondern um einen erstgemeinten und reflektierten Rat, der auf echten Erfahrungswerten basiert. „Wenn du dich nicht ausprobierst und klein startest, wirst du nicht herausfinden, ob du etwas kannst und ob deine Idee funktioniert. Du musst anfangen.“

FANwerk als erste lehrreiche Startup-Erfahrung

Phil hat es angefangen. Schon mehrfach. Immer nebenbei. Immer ist er klein gestartet, mit seinen Kumpels und Studienfreunden. Zunächst während der Studentenzeit an der Bergischen Universität in Wuppertal. 2015 als Star Wars Episode 7 in die Kinos kam. „Da sind wir alle in die Merchandise-Fänge der Industrie geraten“, erzählt der Star Wars-Fan mit einem Schmunzeln auf den Lippen. „Doch es gab nur wenige Anbieter von Sammelfiguren und die waren nicht hochwertig. Gleichzeitig wurden die meisten nur schlecht online vertrieben. Das wollten wir ändern.“ Es entstand, gemeinsam mit Freunden die Idee „FANwerk“ ins Leben zu rufen. Bei FANwerk geht es um Popkultur. Es geht darum, die emotionale Seite von einer Sammelleidenschaft herauszukehren. „Wir wollten nicht die Nerds sein, sondern mit FANWerk ein Zeichen setzen, dass man nicht nur Fußballfan sein kann, sondern auch Fan von Popkultur.“ Bei FANwerk werden „High-End-Collectables“ angeboten, sprich Premium-Sammelfiguren von Star Wars, Marvel und Co. Im Hintergrund allerdings – und das merken die Kunden kaum – wandelt sich das Unternehmen permanent und ist mittlerweile mit seinen Sammelobjekten zu einem rollenden Museum geworden, dass Unternehmen beispielsweise für Events, Previews und ähnliche Anlässe buchen können.

Persönlich zurückstecken? Muss nicht sein, kann aber zeitweise passieren

In der FANwerk-Zeit war es auch, wo Phil lernte, dass es manchmal Phasen gibt, in denen man finanziell und auch persönlich ein bisschen zurückstecken muss. „Mein Bruder sagte damals, dass es vielleicht auch einmal eine Zeit nur Ketchup mit Reis geben würde. Und die gab es. Keiner von uns hatte große finanzielle Reserven beziehungsweise konnte oder wollte bei den Eltern nach Geld fragen. Und doch haben wir es immer wieder – vielleicht manchmal auch unter Blut, Schweiß und Tränen – geschafft.“ FANwerk ist für Phil Nebenerwerb. Auch wenn sein Team und er schon zweimal an dem Punkt standen zu entscheiden, ob es die Hauptaufgabe werden könnte.

Interesse „Brauwesen“ – für die berufliche Orientierung uninteressant?

Die hat Phil als beim Gründungs- und Technologiezentrum der Stadt Solingen. Als Community-Manager, Startup-Betreuer und Gründungsberater arbeitet er in Vollzeit im Coworkit. Und in seiner Funktion gibt der 31-Jährige sein Erfahrungswissen als Gründer gerne an Neulinge mit ihren Geschäftsideen weiter. Die Kultur von Startups fasziniert ihn – steht sie doch ziemlich diametral seinen Erfahrungen als ehemaliger Mitarbeiter bei Volkswagen.

Als wir von youdo vor einem Jahr im Coworkit unser Produkt entwickelten, trafen wir dort auf Phil. Und er war sofort bereit unseren Papier-Prototypen, die Vorstufe der späteren App, zu testen. Er testete. Durchlief die Fähigkeiten. Landete dann bei den Interessen. Es wunderte ihn nicht, dass auf der Top3-Liste Unternehmertum und Popkultur auftauchten. Dass er als drittes Merkmal „Braukultur“ las, ließ ihn schmunzeln. Sein Fazit damals: „Ja, das ist eines meiner Hauptinteressen. Gerne mal mit den Jungs abends ein gutes Feierabendbier trinken – aber für die berufliche Orientierung kann ich das Thema streichen.“ Soweit, so gut. Für den Moment.

Als aus dem Schmunzeln ein lautes Lachen wurde

Denn unbewusst arbeitete es in dem Wuppertaler. Immer, wenn er darüber nachdachte, war wieder dieses Schmunzeln auf den Lippen. Das wenige Monate später zu einem lauten Lachen wurde. Phil hat wieder gegründet. Mit drei Freunden. Dieses Mal ist es „Klarschiff“. Eine Lifestylemarke, bei der es um Spaß und Genuss geht. Genuss – von Bier. Und Gin. Bei einem Bootsausflug mit den Kumpels in Holland, hatte sich die kleine Gruppe am holländischen Bier probiert. „Das schmeckte uns aber nicht.“ Und dann, mit Blick auf den Sternenhimmel, kam der Entschluss: „Wir machen selbst eines. Ziel war es, ein Bier zu brauen, dass mild, süffisant ist. Das uns gut schmeckt.“ Also wurde eine Brauanlage gekauft. Rezepte wurden ausprobiert. Und tatsächlich entstand das erste eigene Bier. „Wieder so eine Schnapsidee“, wie Phils Einfälle in Familienkreisen oftmals genannt werden. Dieses Mal im wahrsten Sinne. Das Feedback ist positiv. Selbst der kritische Vater, selbst Gründer einer Tauchschule, der seinen Sohn häufig ein wenig für seine Ideen belächelt, ist Fan von Klarschiff und hat bereits einen Kasten vorbestellt.

Erfolgsfaktor: Den verkraftbaren Verlust an Zeit und Geld definieren

Wenn man Phil nach dem Erfolgsrezept fragt, grübelt er ein bisschen. Und kommt dann zu dem Schluss: „Wenn ich es genau betrachte, dann habe ich mir selbst mein kleines Öko-System geschaffen. Und immer einen Schritt nach dem anderen gemacht.“ Die Theorie dahinter kommt aus seinem Studium der Wirtschaftswissenschaft, wo er im Fach Entrepreneurship mit dem Konzept von „Effectuation“ in Berührung kam. „Dabei geht es darum zu überlegen, was mir an Mitteln zur Verfügung steht und was der verkraftbare Verlust ist. Wenn du dann entschieden hast, dass du beispielsweise auf ein Zeitkontingent und auch einen Geldbetrag x verzichten kannst, auch wenn die Idee scheitert, lässt es sich leichter loslegen.“ Zudem hat er sich immer mit Menschen umgeben, die Fähigkeiten haben, die sich ergänzen und wagt sich in der Regel nur an die Ideen heran, wo er selbst die Zielgruppe ist. „Dadurch minimieren wir das Risiko. Wenn unser Bier nur uns schmeckt, dann haben wir ein überschaubares Investment gemacht und für uns selbst produziert.“

Wenn aus Geschäftspartnern Freunde werden

Bereut hat er es nie, die Ideen in die Tat umzusetzen. „Das macht wahnsinnig viel Spaß. Aus der Zusammenarbeit mit den Kommilitonen sind echte Freundschaften entstanden. So geht zwar viel Freizeit für das Arbeiten an den Startups drauf. Wenn man das aber mit Freunden macht – umso besser.“ Sicherlich sei auch einer der Faktoren für den Mut, immer wieder neue Projekte anzufangen, dass er davon finanziell nicht abhängig sei. „Mein Haupteinkommen beziehe ich durch meine Arbeit beim Gründer- und Technologiezentrum.“ Die Verantwortlichen dort haben kein Problem mit der Umtriebigkeit des leidenschaftlichen Fans des FC Bayern München, der an seinem Arbeitsplatz eine Autogrammkarte von Thomas Müller hängen hat. „Meine Erfahrungen mit meinen eigenen Startups kann ich wunderbar in die Gründerberatung überführen, da ich viele Tipps und Tricks, die ich selber gebe, vorher schon ausprobiert habe. Davon profitieren alle. Gleichzeitig lerne ich aus der Zusammenarbeit mit den Gründern wiederum viel für mein eigenes Business. Das schafft mir die Möglichkeit authentisch zu unterstützen und ist ein Gewinn für alle.“

Den Lifecycle eines Startups vollenden: Der Traum vom Exit

Die erste Gründungsidee hatte er bereits mit etwa 19 Jahren. Damals half er dem Vater im eigenen Geschäft. Ganz in der Nähe befand sich ein kleiner Skatepark. Ein Hobby, dem Phil gerne nachging. Und schon damals wollte das Macher-Gen ans Tageslicht: „Richtige Ersatzteile für meine Boards gab es nur in Opladen. In Wuppertal gab es nicht wirklich etwas. Und Online-Shoppen war 2007, man mag es gar nicht glauben, auch noch nicht so verbreitet. Also bereitete ich alles für eine Gründung vor. Wir suchten einen kleinen Laden und wollten starten. Letztlich passte dann was mit den Verträgen nicht.“ Das Abenteuer „Gründen“ war aufgeschoben – nicht aufgehoben.

Einen Traum hat Phil noch in Bezug auf seine Unternehmungen: „Ich möchte einmal mit einem Startup die komplette Strecke durchlaufen. Von der Gründung bis zum Exit.“ Und sicherlich schlummert dann für die freigewordene Zeit schon irgendeine neue Idee in dem Seriengründer…

 

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