Glücklich im Beruf oder einfach nur gut im Beruf?

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Warum wir beruflich häufiger unserem Herzen folgen sollten

Mut! Letzen Endes geht es um diese drei Buchstaben. Mut! Sie geben einem Kraft, wenn man ihn wirklich aufbringt. Sie können einen lähmen, wenn man ihn nicht aufbringt. Und viele von uns sind es nicht. Mutig! Und deswegen quälen wir uns. Tag für Tag. In Jobs, die wir vielleicht gut können. Aber glücklich im Beruf, sind wir nicht. Wobei glücklich vielleicht ein Wort ist, welches einige von Euch im Kontext Arbeit ohnehin deplatziert finden. Denken wir es anders: Vielleicht könnt Ihr das, was Ihr tagtäglich bei Eurer Arbeit macht sogar gut. Manche von Euch machen es sogar sehr gut. Und doch, und das weiß ich aus eigener Erfahrung, aber auch aus den Erzählungen von vielen lieben Menschen, die sich mir anvertraut haben, fehlt etwas. Der eine sagt, er sei unzufrieden. Der andere sagt, er sei nicht glücklich. Wiederum andere sagen, sie könnten sich nicht mehr so recht motivieren.  

Aber was ist es genau, was da fehlt? Ich hatte neulich ein sehr spannendes Gespräch mit jemanden, der davon berichtete, dass er von vielen Leuten tolles Feedback für seine Arbeit bekommt. Er verdient viel, ist jung. Die Welt liegt vor ihm. Und dennoch hat er sich beruflich verändern wollen und hat sich beworben. Auch die Unterlagen hat er professionell gestaltet – wie es seinem Anspruch genügt. Und wieder bekommt er tolle Rückmeldungen. Auf zehn Bewerbungen bekam er zehn positive Rückmeldungen. Eine sensationelle Quote – trotz gutem Arbeitsmarkt. Wieder klopften ihm alle auf die Schulter. Den Job gewechselt hat er nicht. Denn: Er fühlte sich – trotz der ganzen Bestätigung – nicht gut. Von außen betrachtet, mag das verrückt klingen. Da ist einer, dem scheint alles zu gelingen. Den scheinen alle zu mögen. Warum ist dieser Kerl unglücklich und unzufrieden? Es wird manch einen geben, der das dann abtut. „Deine Probleme möchte ich haben“ oder „Du bist so undankbar“ sind nur zwei Kommentare, die er selber hört oder die man sich auch seinem Umfeld vorstellen kann. 

Gut versus gerne – der kleine, aber feine Unterschied bei der Analyse der eigenen Stärken 

Ich habe mir seine Schilderungen angehört und habe ihn mit folgender Frage konfrontiert: „Machst Du Deinen Job gerne?“ Da wurde es zunächst still. Für mich war das der Ansatz nachzubohren: „Offensichtlich weißt Du sehr gut, was Du kannst und viele sagen Dir, dass das was Du kannst auch gebraucht wird und zu Dir passt. Aber machst Du das auch wirklich gerne oder würdest Du nicht viel lieber etwas ganz Anderes machen?“ 

Was glaubt Ihr, ist passiert? Nun bekam ich die Bestätigung. In Form eines zustimmenden „Ja, so ist es! Aber ich weiß nicht, was ich machen soll.“ Der Unterschied zwischen dem, was ich gut kann und dem, was ich gerne mache, klingt zunächst banal. Aber er ist es nicht. Denn zunächst muss ich mich erst einmal damit auseinandersetzen, was ich wirklich gut kann. Viele Ratgeber können einen hierbei unterstützen. „Finde zu Deinen Stärken“ heißt es da. Wirklich wichtig, diese zu kennen. Doch nun kommt der entscheidende Unterschied: Ich kann jahrelang einen Job machen, in dem ich mir Fähigkeiten erwerbe und diese zur Perfektion, zur Meisterschaft weiterentwickele. Wenn es nicht das ist, was ich gerne mache, wird etwas fehlen. Also gilt es dafür den Blick zunächst breiter zu fassen und auch einmal außerhalb des Berufs zu schauen, welche Dinge das sind. Um dann im nächsten Schritt zu schauen, welche Interessen ich eigentlich habe und das miteinander zu kombinieren.  

Bei meinem Gesprächspartner haben wir das Interesse für die Feinschmecker-Küche und die Fähigkeit zu verkaufen gedanklich miteinander kombiniert und waren schon in einem neuen beruflichen Umfeld, das besser passte als das heutige. 

Die Erkenntnis ist das eine – etwas daraus zu machen, etwas ganz Anderes 

Doch nun wird es spannend und jetzt schließt sich auch der Bogen zu meiner Ausgangsthese. Wenn ich mich mit mir selbst, mit meinen Interessen und Fähigkeiten und vielleicht auch anderen Persönlichkeitsmerkmalen ernsthaft auseinandergesetzt habe und für mich eine neue berufliche Chance erarbeitet habe, braucht es immer noch Mut, diese auch zu ergreifen. 

Denn: Wenn ich mich auf etwas Neues einlasse, vielleicht sogar noch einmal eine Weiterbildung oder eine Umschulung in Angriff nehmen muss, dann bewege ich mich heraus aus meiner Komfortzone. Und ich mach mich angreifbar. Und dieser Angriff kann schon aus dem eigenen privaten Umfeld kommen: was sagt der Nachbar, wenn ich plötzlich nicht mehr Führungskraft im Konzern bin, sondern mit einem Handel für Feinschmecker-Küche selbstständig mache? Wie findet es mein Ehepartner, wenn ich Führungs-, Umsatz-, Budgetverantwortung eintausche gegen einen Job, der mir mehr Leidenschaft, aber vielleicht auch weniger gesellschaftliches Ansehen oder weniger Geld bringt?  

Das ist vielleicht der kritischste Moment in der Phase der beruflichen Veränderung. Denn hier muss es mir gelingen, mich von den äußeren Einflüssen unabhängig zu machen. Sie zu hören, sie zu akzeptieren. Vielleicht auch berechtigte Zweifel zu zulassen und diese in die eigenen Gedanken mit einfließen zu lassen. Und doch, sollte hier das eigene Glück, die eigene Zufriedenheit im Vordergrund stehen. Niemand geht für Dich zur Arbeit. Niemand verbringt für Dich die 10.000 Arbeitstage in diesem Beruf, mit diesen Aufgaben, in diesem Umfeld, mit diesen Kunden, Kollegen, Vorgesetzten. Das musst Du, das darfst Du machen. Also solltest Du es auch gerne machen. Es gehört Mut dazu, dann sein eigenes Ding zu machen. Diesen Schritt zu wagen. Und doch lohnt es sich! Davon bin ich ganz fest überzeugt. Ich habe neulich eine Geschichte gehört, die mich begeistert hat und von der ich Euch kurz erzählen möchte.  

Leidenschaft siegt gegen Vernunft und gegen die Kritiker aus dem Umfeld 

Es gab jemanden, der wollte als Kind immer LKW-Fahrer auf einer Baustelle werden. Ein Beruf, der zum einen nicht so wahnsinnig hohes Ansehen genießt und gleichzeitig auch bei den Verdienstmöglichkeiten jetzt nicht ganz oben auf der Skala der Topverdiener zu finden ist. Also hat er einen anderen Weg eingeschlagen. Immerhin in einem Konzern, der mit dem LKW-Bau beschäftigt ist. Dort ging es immer weiter nach oben. Die Verantwortung stieg, der Gehaltscheck wurde größer. Irgendwann der große Knall: Restrukturierung, Kündigung. Eigentlich ein Grund um Trübsal zu blasen. Er hat die Chance genutzt und sich an den Kindheitstraum erinnert. Und Mut gehabt. Gegen jede Vernunft hat er sich entschieden, drei Tage die Woche LKW auf einer großen Baustelle zu fahren. In der restlichen Zeit nutzt er seine Erfahrung als Topmanager und gibt diese als Berater an seine Kunden weiter. Eine tolle Geschichte. Gegen jeden äußeren Anspruch hat er sich für seine Leidenschaft entschieden und ist nun glücklich in seinem Beruf. In Kauf nehmend, dass andere mit dem Kopf schütteln – und sich doch insgeheim wünschen, dass sie den Mut aufbringen würden, ihrem Herzen statt dem Verstand zu folgen. 

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Avatar

    Sehr guter Artikel. Folge Deiner Leidenschaft, statt der Vernunft. viele Menschen wissen auch gar nicht immer welche Leidenschaft sich mit welchem Beruf verknüpfen lasst…

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Über den Mut, die Meinung der anderen auszuhalten  Ich kann doch nicht einfach… Was werden meine Eltern dazu sagen? Mein Bruder? Meine Schwester? Mein/e Lebenspartner/in?

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